Antwort im Licht

Der Umgang mit dem Drehbuch

Der Kurs sagt, dass „das Drehbuch geschrieben ist“. Das bedeutet, dass die Szenen des Traums bereits festliegen. Die Begegnungen, Herausforderungen, Chancen und Wendepunkte des Tages erscheinen auf der Leinwand des Lebens. Doch obwohl die Szene bereits da ist, bleibt eine entscheidende Freiheit erhalten: Mit wem schaust du sie an?

Erstens: Wenn du den Tag beginnst und ihn dem Heiligen Geist übergibst, schreibst du nicht neue Szenen in das Drehbuch hinein. Du entscheidest vielmehr, welcher Lehrer dich durch die bereits vorhandenen Szenen führen soll. Das Ego sieht Bedrohungen. Der Heilige Geist sieht Lerngelegenheiten.

Zweitens: Jede Szene des Drehbuchs kann auf zwei Arten gelesen werden. Stell dir vor, dieselbe Filmszene läuft vor zwei Zuschauern. Der eine sieht Verrat, Verlust und Angriff. Der andere sieht eine Gelegenheit zur Vergebung. Die Szene ist identisch. Die Interpretation ist völlig verschieden.

Drittens: Wenn Ärger, Angst oder Sorgen auftauchen, zeigt das, dass du gerade das Drehbuch aus der Perspektive des Egos liest. Dann kannst du innehalten. Du musst die Szene nicht ändern. Du musst nicht den Film anhalten. Du wechselst lediglich den Deuter des Films.

Viertens: Das Ziel bestimmt, was du im Drehbuch erkennst. Wenn du Recht haben willst, findest du überall Beweise dafür. Wenn du Frieden willst, wird dieselbe Szene zu einer Lektion des Friedens. Deshalb fragt der Kurs immer wieder: Was ist der Zweck?

Fünftens: Jede Begegnung ist ein Schlüsselmoment im Drehbuch. Das Ego sieht dort Körper, Persönlichkeiten und Konflikte. Christi Schau sieht das LICHT. In dem Augenblick, in dem du deinen Bruder anders betrachtest, bekommt die Szene einen völlig neuen Sinn. Das Drehbuch der Trennung wird zum Klassenzimmer der Heilung.

Deshalb sind beide Aussagen des Kurses wahr: Der Film ist bereits abgedreht. Und gleichzeitig: Du entscheidest in jedem Augenblick, welche Bedeutung der Film für dich haben wird.

Das Wunder verändert nicht die bereits gedrehte Szene. Das Wunder verändert den Zuschauer. Und dadurch verändert sich die ganze Erfahrung.

5 Kommentare

  1. Lieber Gottfried, die heutige Tageslektion hat mich ganz tief erwischt, berührt..
    Und hat dazu geführt, dass ich nun doch gerne an Oneness teilnehmen möchte. (online), obwohl ich physisch selten zu den Zeiten vor dem Rechner sein kann.
    Ist das noch irgendwie möglich?

  2. Ist das Drehbuch für alle gleich?
    Und wenn man sich das ganze Drehbuch anschauen „möchte“ bedeutet das, dass man immer wieder inkarniert

  3. Ja, das Drehbuch ist geschrieben, und zwar in jedem Moment neu. Das was ich jetzt erlebe, ist das was ich davor gedacht und gefühlt habe.
    Ich sehe immer nur die Vergangenheit.
    Jetzt ist die Vergangenheit von Morgen, jetzt entscheide ich, was ich morgen erlebe.
    Wäre das komplette Drehbuch meines Lebens bereits geschrieben, würde das in meiner Wahrnehmung und Interpretation nicht zum Inhalt des Kurses passen, Denn, wie könnte eine zeitlich lineare Illusion bereits geschrieben sein, ein Traum bereits vollständig geträumt sein und von wem?

    1. Genau an diesem Punkt unterscheidet sich die Sicht des Kurses von unserem normalen Zeitempfinden. Aus der Sicht des Träumers scheint sich alles Schritt für Schritt zu entfalten. Aus dieser Perspektive wirkt es tatsächlich so, als würden Gedanken von heute die Erfahrungen von morgen hervorbringen. Der Kurs spricht jedoch von einer Ebene außerhalb der Zeit. Dort ist der Traum bereits vorbei. Deshalb sagt er, dass das Drehbuch geschrieben ist. Der Widerspruch entsteht nur, wenn wir Zeit und Ewigkeit vermischen. Innerhalb des Traums scheint alles linear zu verlaufen. Außerhalb des Traums ist die Zeit selbst Teil der Illusion. Der Kurs bittet uns nicht, das zu verstehen, sondern zu vergeben, die Führung anzunehmen und dann folgt das Verständnis..

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