Antwort im Licht

Die Leiter des Gebets – vom Habenwollen zum Erinnern

Wenn wir beten, beginnen viele von uns ganz selbstverständlich mit dem, was uns gerade fehlt. Wir wünschen uns Gesundheit, Sicherheit, Geld, eine erfüllte Beziehung oder eine Lösung für eine schwierige Situation. Wir möchten, dass Gott eingreift und etwas in unserem Leben verändert. Ein Kurs in Wundern verurteilt uns dafür nicht. Der Heilige Geist begegnet uns genau dort, wo wir uns gerade befinden, und benutzt selbst unser Bitten, um uns langsam zu einem anderen Verständnis von Gebet zu führen.

Genau das zeigt die Leiter des Gebets. Wir steigen dabei zu keinem fernen Gott empor. Unser Geist verändert sich. Mit jeder Sprosse beginnen wir ein wenig mehr zu erkennen, wonach wir in Wahrheit suchen.

Am Anfang lautet unser Gebet vielleicht: „Gib mir, was ich brauche.“ Dahinter steht der Glaube, dass uns etwas fehlt und dass etwas außerhalb von uns diesen Mangel beheben könnte. Wir glauben zu wissen, was geschehen müsste, damit wir glücklich und friedlich sein können.

Irgendwann beginnt sich etwas zu verändern. Wir fragen nicht mehr nur: „Wie bekomme ich das, was ich möchte?“ Eine neue Frage taucht auf: „Heiliger Geist, wie möchtest Du, dass ich das sehe?“

Hier beginnt Vergebung

Plötzlich wird der Mensch, über den wir uns ärgern, zu einer Möglichkeit, unseren eigenen Geist anders betrachten zu lassen. Die Situation, die wir unbedingt verändern wollten, kann uns zeigen, wo wir noch an Angst, Schuld oder Mangel glauben. Wir beginnen zu verstehen, dass wir unseren Bruder nicht verändern müssen, um Frieden zu finden. Wir dürfen lernen, ihn anders zu sehen.

Und damit verändert sich auch unser Gebet. „Was ich meinem Heiligen Freund gebe empfange ich“ Wenn ich ihn aus meinem Urteil entlasse, werde auch ich freier. Wenn ich seine Unschuld sehen möchte, öffne ich mich meiner eigenen. Seine Befreiung und meine Befreiung gehören zusammen.

Je weiter wir auf dieser Leiter gehen, desto weniger versuchen wir, Gott vorzuschreiben, wie unser Leben aussehen sollte. Aus Bitten wird Vertrauen. Aus Kontrolle wird Hingabe. Unser Gebet wird immer einfacher:

„Heiliger Geist, führe Du.“

Das ist einer der tiefsten Schritte auf dieser Leiter: zuzugeben, dass wir selbst nicht wissen, was zu unserem Frieden dient. Wir treten zurück und überlassen die Führung einem anderen Lehrer. Irgendwann braucht das Gebet immer weniger Worte. Wenn der Glaube an Mangel schwindet, gibt es immer weniger, was wir von Gott verlangen möchten. Wir wollen dann vor allem bei Ihm sein und uns erinnern.

So führt uns die Leiter Schritt für Schritt von:

„Gib mir etwas.“ zu: „Hilf mir, anders zu sehen.“ weiter zu: „Führe Du mich.“ bis schließlich nur noch die Erinnerung bleibt: „Ich bin, wie Gott mich schuf.“

Wir brauchen uns dabei nicht zu fragen, auf welcher Sprosse wir gerade stehen, und uns schon gar nicht dafür zu beurteilen. Wenn wir heute noch um etwas bitten, dürfen wir genau dort beginnen. Der Heilige Geist braucht nur unsere Bereitschaft. Er nimmt uns an die Hand und führt unser Gebet immer weiter weg vom Glauben an Mangel, hin zur Erinnerung an unsere Vollständigkeit.

Am Ende der Leiter bekommen wir deshalb nichts, was Gott uns bisher verweigert hätte. Wir erkennen, dass das, wonach wir die ganze Zeit gesucht haben, niemals von uns getrennt war.

Das Gebet wird dann zur stillen Erinnerung: Ich bin immer vollständig. Ich bin in Gott. Und ich war niemals von Ihm getrennt.

8 Kommentare

  1. Ja wie wundervoll ist diese anschauliche Darstellung des Stufengebetes, welches Du uns, lieber Gottfried hier schenkst.
    Ich habe gestern das Lied des Gebets gelesen, die Ergänzungen zu EKIW.
    Ich habe schon früher darin gelesen, doch gestern ist es in mich hineingesunken.
    Zuerst hatte ich einen Schock, als ich ganz klar sah, wie und zu welchem Zweck wir das Gebet missbraucht haben, die titualförmigen Gebetsleiern in meiner Familie haben mich abgestoßen.
    Es wurde für die gebetet, die aus ihrer Sicht die Sünder waren, da gehörte ich auch dazu, und meine Mutter betete immer für meine verlorene Seele, ich hab es gehasst.
    Doch seit gestern ist alles anders, jetzt ist kein Groll mehr da.
    Die praktizierte Vergebung verleiht dem Gebet jetzt Flügel, damit es in die Himmel aufsteigen und wahrhaft hilfreich sein kann.
    Und heute dieses wunderbare Bild, das Stufengebet, in den Farben unserer Chakren, die Regenbogenbrücke in den Himmel.

    Lieber Gottfried, vielen lieben Dank.
    Kein Geist lernt allein, wie wundervoll.

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